Dionysis Savvopoulos sagte in einer Sendung des griechischen Rundfunks ERT zur Spendensammlung für die Ukraine unter anderem: „Die Ukrainer haben, wie wir alle, ihr kleines Leben, ihre Arbeit, ihre Familie betrachtet, und plötzlich erlangten sie ein episches Bewusstsein. Denn nur mit einer epischen Psychologie kann man hingehen und für diese hohen Dinge sterben, die zugleich sehr konkret sind und ‚Vaterland‘, ‚Freiheit‘, ‚Demokratie‘ heißen. Wohlstand ist gut, und gut ist auch seine relative Sorglosigkeit. Aber offenbar ist in der entscheidenden Stunde der Weg, der die Welt rettet, immer derselbe und nur einer: das Opfer. Die Ukraine leidet jetzt für uns alle. Schweigen Sie nicht. Folgen Sie dem Weg des Herzens. Helfen Sie, jeder wie er kann, den Ukrainern. Es ist jetzt ihr geopfertes Blut, das kommt, um das zu retten, was niemals jemand, niemals irgendein Totalitarismus besiegen wird: die Größe des Lebens. Ich verneige mich vor der Ukraine, senke den Kopf und singe mit ihr ...“

Einige wollen Täter und Opfer gleichsetzen. Die Wirklichkeit spricht jedoch laut. Die Tatsachen sprechen, und sie sind heilig. Unser Urteil über die Tatsachen ist frei.

Andere wiederum geben der Ukraine die Verantwortung, weil sie sich der Supermacht Russland widersetzt hat. Offenbar vergessen sie, dass David sich mit Goliath anlegte und siegte. Sie vergessen, dass sich 1821 eine Handvoll Barfüßiger mit dem Osmanischen Reich anlegte und, wenn es die Bürgerkriege nicht gegeben hätte, gesiegt hätte. Auch das Schutzgesuch an die Großmächte wäre dann nicht nötig gewesen.

Wieder andere schreien, klagen und empören sich, weil die Preise für Strom und Erdgas in die Höhe geschossen sind. Ja, sie sind in die Höhe geschossen. Aber jeder Krieg hat auch Folgen. Und diese trägt Europa und Griechenland. Dennoch steht der gesamte Westen (USA, Europäische Union, England, Kanada, Australien, Japan und andere) zusammen mit weiteren Ländern an der Seite der Ukraine. Das Opfer rettet die Welt.

Der Krieg findet zwischen Russland und dem Westen statt. Für den Westen kämpft die Ukraine. Der Westen hilft, soweit er hilft. Es ist ein Krieg zwischen autoritären und demokratischen Regimen.

Was die Teuerung betrifft, sind die Populisten der Politik außer Rand und Band geraten. Es sind so viele, dass sie unseren Verstand verdrehen. In ihrem Bemühen, ein paar Stimmen zu gewinnen, vergewaltigen sie Logik und Wirklichkeit.

Wir müssen uns bewusst machen, dass wir historische Augenblicke erleben. Die neue Unterscheidung der Welt wird zwischen demokratischen und autoritären Regimen verlaufen. Unser Land hat sich, glücklicherweise mit Zustimmung der großen Mehrheit der politischen Kräfte, auf die richtige Seite der Geschichte gestellt.

Putins Russland kann sich mit der postsowjetischen Lage und der neuen Wirklichkeit nicht abfinden. Es sehnt sich nach der Vergangenheit. Und da die sowjetische Vergangenheit unmöglich ist, sehnt es sich nach dem imperialen Russland.

Die Ukraine dagegen vollzog eine Wende um 180 Grad hin zu Europa und zur Demokratie. Und das konnte der autoritäre Putin nicht ertragen.

Die Bedrohung durch die Ukraine war nicht militärisch, sondern kulturell. Zu berücksichtigen ist, dass die Ukraine 1994 auf Grundlage des Budapester Memorandums ihre Atomwaffen an Russland übergab, im Austausch gegen Sicherheitsgarantien Russlands.

Putin konnte nicht ertragen, dass ein Land, das bis vor Kurzem dem sowjetischen Wagen angehängt und Russland unterlegen war, Europa werden und Russland überholen kann. Das ist die tiefere Angst Russlands. Und nicht der Beitritt zur NATO oder andere Vorwände Putins.

Nach dem Ende des Krieges werden die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine schwierig sein. Kann eine europäische und demokratische Ukraine mit einem autoritären Russland koexistieren? Kann es Freiheit in Russland geben, wenn es die Freiheit eines anderen Landes verletzt? Liegt die Lösung vielleicht in der Demokratisierung Russlands?

Schließlich bedroht Putin Griechenland, auch wenn andere Länder der Ukraine mehr Hilfe geschickt haben. Vielleicht, weil er das orthodoxe Griechenland für selbstverständlich hielt, selbst wenn er sich mit der islamischen Türkei gegen die orthodoxe Ukraine verbündet.

Pavlos Marantos

marantosp@gmail.com