Syrizas Politik

zu zwei wichtigen Themen

A) Sexuelle Belästigung, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch von Kindern

In letzter Zeit erleben wir zahlreiche Enthüllungen über sexuelle Belästigung, Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch von Kindern. Der sexuelle Missbrauch von Kindern ist das Verbrechen der Verbrechen. Für dieses Verbrechen braucht es deshalb besonders schwere Strafen.

Das Thema der sexuellen Belästigung betrifft die gesamte Gesellschaft. Leider kommt sie in vielen Bereichen vor. Sie entsteht dort, wo Machtverhältnisse und Abhängigkeiten bestehen.

Zum Glück haben Menschen begonnen zu sprechen, und die Angst verlagert sich von den Opfern auf die Täter. Es ist Zeit, dass die Opfer aufhören, sich zu fürchten, und dass die Täter beginnen, sich zu fürchten. Das Gerechtigkeitsempfinden der Gesellschaft verlangt, dass die Sache aufgeklärt wird. Die Justiz ist bereits am Zug.

Und siehe da: Syriza kommt und macht das Thema des sexuellen Kindesmissbrauchs parteipolitisch. Dann begann die Partei, die Regierung zu beschuldigen. So wurde aus einem gesellschaftlichen Thema ein parteipolitisches, und es wird herabgewürdigt. Hier passt die Redewendung: Syriza hat alles beschmutzt. Warum wohl? Fühlt sich Syriza in dieser Frage etwa schuldig?

B) Syriza zugunsten des Mörders Koufontinas

Der Mörder Koufontinas trat beziehungsweise tritt in den Hungerstreik mit der Forderung, aus dem Gefängnis von Domokos in das Gefängnis von Korydallos verlegt zu werden. Sofort waren die syrizaischen Menschenrechtsaktivisten gerührt und eilten ihm zu Hilfe. Zunächst unterstützten ihn 17 Syriza-Funktionäre und 68 Universitätsangehörige mit einer Erklärung. Danach eilte fast ganz Syriza herbei, zusammen mit Alexis Tsipras.

Zu bedenken ist, dass der Mörder Koufontinas für die elf Morde, wegen derer er verurteilt wurde, keine Reue gezeigt hat. Ebenso ist zu bedenken, dass in unserem abgegriffenen und bankrotten politischen und gerichtlichen System elf Morde fünfundzwanzig Jahren Gefängnis entsprechen. Die Frage lautet: Unterstützen die Syriza-Leute im Namen ihres Rechts auf moralische Überlegenheit einen Feind der Moral und der Demokratie?

Von Zeit zu Zeit schreien Menschenrechtsaktivisten, Rouvikonas-Gruppen und andere Grüppchen, damit wir hören, dass sie Koufontinas unterstützen. Doch, und das ist das Merkwürdige, auch Syriza-Funktionäre schreien und verlangen seine Freilassung, weil er als politischer Gefangener betrachtet werde. Ausgezeichnet. Man ermordet elf ideologische Gegner und verlangt vom Staat, an den Orten spazieren gehen zu dürfen, an denen man seine Opfer hingerichtet hat.

Bei Rouvikonas und den Grüppchen mag man das noch einordnen. Wenn aber Herr Voutsis im Parlament von einer „Vergeltungsmaßnahme“ gegen Koufontinas spricht, überschreitet das jedes Verständnis von Vernunft und Gerechtigkeit. Dasselbe tut Herr Tsipras, wenn er eine „Vorzugsbehandlung“ für Koufontinas fordert.

Gewiss überzeugen diese Sensibilitäten für das Leben von Koufontinas nicht. Sie überzeugen nicht, weil Syriza kein gleiches Interesse am Leben anderer Menschen zeigt. Sein Interesse erschöpft sich bei den „Kindern“ Syrizas und nicht beim Menschen allgemein. Und das nennt sich linke Sensibilität. Das heißt: Die elf Toten, die Koufontinas ermordet hat, gehen mich nichts an. Mich interessiert der Mörder Koufontinas. Gibt es einen vernünftigen Menschen, der diese Logik und diese Gerechtigkeit akzeptieren kann?

Warum aber schreit Syriza zugunsten von Koufontinas? Weil die Partei laut Umfragen noch etwa 20 % der Wählerschaft hat. Hätte sie weniger als 3 % - was ihrer tatsächlichen Stärke entspricht -, säße sie nicht im Parlament und niemand würde ihr zuhören. Deshalb richtet sich die Frage an die Bürger, die Syriza noch unterstützen: Billigen sie Syrizas Sensibilität für den Mörder Koufontinas? Das ist die entscheidende Frage.

Ich habe den Eindruck, dass nur eine kleine Minderheit, die sich in der Führungsgruppe Syrizas befindet, an der Vorzugsbehandlung für Koufontinas interessiert ist. Die große Mehrheit der Funktionäre und Wähler Syrizas ist gegen diese Zärtlichkeiten gegenüber dem Mörder.

Syrizas Politik in diesen zwei wichtigen Fragen ist enttäuschend. Sie zeigt seine Leere und seinen Niedergang. Außerdem verletzt sie das moralische und rechtliche Empfinden des Volkes.

Kann eine solche Politik beim Volk Anklang finden? Sicherlich nicht. Das Volk duldet keinen sexuellen Kindesmissbrauch und es duldet auch keinen Terrorismus. Deshalb fragt es sich: Warum verfolgt Syriza in diesen zwei wichtigen Fragen diese Politik?

Pavlos Marantos

marantosp@gmail.com