Am 9. Mai ist der „Europatag“. Die Europäische Union feiert. „Alles Gute, Europa“.
Wir sollten daran denken, dass seit vierzig Jahren, seit 1981, Geld aus der Europäischen Union (EU) nach Griechenland fließt. Und doch kämpfen manche weiterhin gegen die EU.
Gewiss geht die Gefahr nicht von der EU aus, sondern aus dem Osten, also von der Türkei. Von einer Türkei mit 70 Millionen Menschen, die in den letzten zwanzig Jahren wirtschaftlich stark aufgestiegen ist und versucht, eine entscheidende regionale Rolle zu spielen.
Wenn wir uns nicht an die Wirklichkeit anpassen und wenn wir die Gefahren nicht verstehen, die uns umgeben, werden wir im eigenen Saft schmoren, und es kann noch Schlimmeres kommen.
Manche fragen: Und was tut die Europäische Union? Warum schützt sie uns nicht? Das Tragische ist, dass diese „Manchen“ vor allem diejenigen sind, die die EU bekämpfen. Diejenigen, die der EU keine Macht übertragen wollen. Diejenigen, die nicht wollen, dass die Grenzen Griechenlands auch Grenzen Europas sind.
Ist es wirklich logisch, jemanden zu beschimpfen und zu bekämpfen und zugleich, wenn man in Gefahr ist, seine Hilfe zu verlangen? Und sich sogar zu beschweren, weil er nicht hilft?
Wir sollten klarstellen, dass alle nationalen Mitgliedstaaten einen Teil ihrer nationalen Souveränität an die EU übertragen. Sonst kann es keine „Union“ geben, keine Union überhaupt, vom kleinen Verein bis zu den Vereinten Nationen.
Durch die Übertragung eines Teils der Staatsgewalt an die EU verliert der Staat nicht, sondern gewinnt. Er gewinnt Kraft, denn „Einigkeit macht stark“. So kann er die verschiedenen Probleme besser bewältigen. Das gilt in erster Linie für kleine und schwache Staaten wie Griechenland.
Selbstverständlich ändern sich die Zeiten. Heute sind Raum und Zeit geschrumpft. Was den Raum betrifft, ist die ganze Welt ein kleines Dorf, ein globales Dorf. Und der Planet Erde ist nur ein Sandkorn im Universum. Wenn die Erde ein Sandkorn ist, was ist dann Griechenland? Außerdem kennen im heutigen globalisierten Kapitalismus die Bewegungen von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital keine Grenzen.
Wenn die Europäische Union mit 27 Staaten und ungefähr 450 Millionen Menschen darum kämpft, mit den anderen Wirtschaftsmächten des Planeten zu konkurrieren, wird Griechenland mit 10 Millionen Menschen das allein schaffen? Haben wir vielleicht kein klares Verständnis der Wirklichkeit? Gewiss ist Griechenland ein Land mit Geschichte und großer Kultur, um die es viele beneiden würden, aber heute ist es ein kleines und hoch verschuldetes Land Europas.
Überholte Ideen und Ideologien schaden daher unserem Denken und in der Folge unserem Leben. Wenn sich alles um uns herum mit erschreckender Geschwindigkeit verändert, warum bestehen manche dann auf dem, was sie einmal gelernt haben? Gewiss ist es schwierig, etwas zu verlernen, aber wenn sie dem Lauf des Lebens nicht folgen, werden sie an den Rand geraten. Wer sich nicht anpasst, geht unter. Das Wort „Anpassung“ ist ein Schlüssel für diejenigen, die besser leben und die Zukunft gewinnen wollen.
Wenn das Vorstehende richtig ist, dann sollten wir unabhängig von unserer Ideologie und unseren Vorlieben Konstantinos Karamanlis dafür preisen, dass er uns in die damalige EWG und heutige Europäische Union geführt hat. Wir sollten auch Kostas Simitis dafür danken, dass er uns in die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) geführt hat, aber auch Zypern in die EU brachte. Kann sich jemand vorstellen, was mit der Türkei geschehen würde, wenn Zypern nicht in der EU wäre?
Gewiss ist die politische Union der EU, die auch unsere Grenzen sichern würde, nicht vorangeschritten. Doch etwas geschieht. Beispiel: Die Europäische Grenz- und Küstenwache (FRONTEX) patrouilliert an den Grenzen Europas.
Während manche für die politische Einigung der EU kämpfen, bekämpfen andere im selben Moment diese Einigung. Gewiss geht der Weg zur politischen Union der EU trotz Widerständen und Reaktionen weiter. Und die Griechen sollten aus historischen und geopolitischen Gründen an der Spitze der politischen Einigung Europas stehen.
„Alles Gute, Europa“!
Pavlos Marantos
marantosp@gmail.com
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