Archivhinweis: Dieser Text stammt aus dem alten Archiv von Nomika Epilekta und wird sorgfaeltig fuer eine historische und informierende Lektuere bewahrt.
Nach der Verfassung von Kambodscha ist der Koenigsthron nicht streng erblich. Der jeweilige Monarch wird von einem Rat gewaehlt, dem der Premierminister, der Praesident der Nationalversammlung, zwei buddhistische Aebte und weitere entsprechende Personen angehoeren. Der Monarch muss jedoch aus einer der drei historischen Dynastien Kambodschas stammen: den Ang Duong, die erloschen sind, den Sisowath und den Norodom. Offenbar haben auch wir in Griechenland von Kambodscha gelernt, dass Fuehrer unbedingt aus politischen Familien stammen muessen.
In der Zwischenkriegszeit, als noch die franzoesische Kolonialherrschaft bestand, war Sisowath Monivong Koenig. Die wichtigste koenigliche Pflicht jener Zeit waren Zeremonien und vor allem die Erhaltung des koeniglichen Balletts von Phnom Penh.
1941 wollten die Franzosen den Thron einer noch gehorsameren Person als Monivong geben und erhoben den 19-jaehrigen Norodom Sihanouk zum Koenig. Damit irrten sie sich gewaltig.
Der kleine und charmante Sihanouk hatte die Frau des franzoesischen Verwalters von Kambodscha beeindruckt, die ausrief: "Comme il est mignon ce petit!" - "Wie suess dieser Kleine ist!" Ungluecklicherweise taeuschten sie sich, denn ihr kleiner, mignon Sihanouk bereitete ihnen erhebliche Schwierigkeiten. Zunaechst hielt er einige Jahre still, tat unauffaellig und beschaeftigte sich scheinbar nur mit dem Ballett, bis er die politischen Kniffe gelernt hatte. Dann begann er 1950 eine hervorragend aufgebaute internationale Kampagne, die 1953 zur vollstaendigen Unabhaengigkeit Kambodschas fuehrte.
Bemerkenswert ist, dass die Sisowath nie verziehen, dass Sihanouk sie 1941 in der Thronfolge uebergangen hatte. Deshalb organisierten sie von Zeit zu Zeit verschiedene Putsche und Verschwoerungen gegen ihn. So wurde der eindeutig proamerikanische Putsch von 1970, als Lon Nol Sihanouk stuerzte, waehrend dieser auf offiziellem Besuch in Moskau war, von einem Sisowath organisiert: Sirik Matak, der damals zum reichsten Unternehmer des Landes aufgestiegen war.
Am Ende wurde Sirik Matak von den Roten Khmer hingerichtet, als diese 1975 die Macht uebernahmen. Lon Nol gelang rechtzeitig die Flucht. Er ging nach Hawaii, wo ihm die Amerikaner fuer seine Dienste als nationaler Retter 500.000 Dollar gaben.
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