Archivhinweis: Dieser Text stammt aus dem alten Archiv von Nomika Epilekta und wird sorgfaeltig fuer eine historische und informierende Lektuere bewahrt.

Immer mehr Menschen empfinden keine Freude mehr an den Feiertagen. Die Art, wie wir leben, mit Stress, Aengsten, Pessimismus, Konkurrenz, Zukunftsunsicherheit und staendiger Traurigkeit, hat uns den Zauber des Grossen Festes, des Weihnachtsfestes, geraubt.

Eingezwaengt in den Staedten haben wir die Doerfer, das Land und die Inseln verwaisen lassen. Mit ihnen haben wir auch unsere Seelen ausgetrocknet und uns kampflos der "Krise" ueberlassen, die nicht lange auf sich warten liess und nun triumphiert.

Wir freuen uns nicht mehr. Selbst Kinder wirken wie Erwachsene. Kindliche Unschuld, Sorglosigkeit, Reinheit und das Leuchten des Neuen, das frueher auch den Erwachsenen Freude schenkte, gehen verloren.

Der fruehere Glaube und die traditionelle Verbundenheit mit der Orthodoxie werden Vergangenheit. Unsere Koepfe sind voll von Wissen, das nicht aus Studium, Nachdenken oder Erfahrung stammt. Es ist zahlloses, konserviertes Wissen, direkt aus den Fernsehkanalen. Vorgefertigtes "Wissen" von zweifelhaftem Wert dringt muehelos ein, fuellt den Kopf, beherrscht das Denken und sinkt bis tief ins Unterbewusstsein.

So kann und will der Mensch des 21. Jahrhunderts, und der Bewohner dieses Landes, Weihnachten nicht mehr feiern, die Botschaft von Liebe und Frieden nicht mehr annehmen und den Weg zum Licht nicht mehr einschlagen, gleich ob dieses Licht vom Stern von Bethlehem oder aus unschuldigen Kinderaugen kommt.

Weihnachten und die Feiertage sind geworden wie alle anderen Tage. Die lauwarmen Botschaften der politischen und religioesen Fuehrung beruehren die Seelen nicht. Sie sind Wiederkaeuen alter Stereotype, ausgesprochen von Muendern, die gelernt haben, Heuchelei, Luege, Feindschaft und Arroganz zu besingen.

Von Weihnachten blieb nur der Name; Inhalt und Sinn gingen verloren.

Das geschah nicht in ein oder zwei Jahren. Es begann vor langer Zeit, in den letzten Jahrzehnten. Das Ausfransen des Grossen Festes setzte langsam ein, als die Doerfer leer wurden, die Provinz verdorrte und wenige griechische Grossstaedte sich mit Millionen ehemaligen Dorfbewohnern fuellten. Die Weihnachtslieder verstummten, weil selbst die kleinsten Kinder sich nicht mehr mit Gebaeck, einem breiten Laecheln und Wuenschen zufriedengaben, sondern nur mit Geld. Die Medien interessierten sich nur noch fuer das Weihnachtsessen, den Preis des Truthahns, die Reveillons und die weihnachtliche, stets nach Mitternacht beginnende "Unterhaltung", die mit dem Rausch des Neujahrs und den naechtlichen Karten- und Gluecksspielen weiterging.

Frueher standen begabte Menschen auf und schrieben Weihnachtslieder, Gedichte, Erzaehlungen und Geschichten. Frueher liefen alle in die Kirchen, um die wunderbaren Hymnen der Geburt zu hoeren, und Wuensche wurden bei Besuchen von Freunden und Verwandten, auf dem Land und bei Festen weitergegeben. Heute kreisen stereotype, langweilige und seelenlose Wuensche im Internet. Manche werden, immer gleich, auf Karten gedruckt, die nur selten per Post oder Kurier reisen. Auch sie wurden kurz, fluechtige Wuensche, nur um die "Pflicht" zu erledigen und wieder in den faden Alltag einzutauchen.

Frueher kam an Weihnachten die ganze Familie nach den Fastentagen und dem Kirchgang am Tisch zusammen. Die Wuensche wurden mit Lebendigkeit und Waerme Wirklichkeit, verwandelten sich in frohe Laecheln, in ausstrahlende Liebe und in geborgene Zuneigung. Hass, Feindschaften, Sorgen und jede Bitterkeit traten zurueck, weil Christus in unseren Herzen und in unserem Leben geboren wurde und das Weihnachtsfest Kraft fuer Gegenwart und Zukunft, Segen und Zuversicht, Guete und Freundlichkeit schenkte.

Doch auch heute gibt es noch genug Menschen, die sich an das verlorene Weihnachtsfest erinnern, wie es einst in unserer Kindheit war: ohne viele Lichter und mit nur wenigen geschmueckten Baeumen, aber mit einer Atmosphaere, die nach Fest roch. Mit Haeusern, die nach selbstgemachten Suessigkeiten dufteten, die heute teuer in Konditoreien und modernen Baeckereien gekauft werden, mit festlichen Treffen von Verwandten und Freunden, mit Familienausfluegen, Freude und Sorglosigkeit.

Fuer diese Menschen lohnt es sich, das grosse Weihnachtsfest wiederzubeleben. Auf vieles Nutzlose zu verzichten und das Wenige, das liebenswert ist, zu umarmen. Die Wirtschaftskrise, den Kampf ums Ueberleben und unsere vielen Unsicherheiten wenigstens fuer eine Weile zu vergessen und an jene zu denken, die uns frueher mit ihrer Gegenwart und Liebe begleiteten und heute nicht mehr bei uns sind.

Wir sollten alte, vergessene Freunde, isolierte Verwandte und Menschen aufsuchen, die im Unterschied zu uns nicht einmal das Notwendigste zum Leben haben. Aus dem Ueberschuss unserer Liebe sollten wir geben, was wir koennen; und wenn wir nichts geben koennen, dann ein Laecheln, eine warme Umarmung, einige Worte aus der Seele.

Wir sollten alles Moegliche tun, um Weihnachten wieder als Fest zu erleben: mit einem Besuch bei kranken Kindern, bei Familien, denen es schlechter geht als uns, bei dem Naechsten, der sich entfernt hat, bei dem Leidenden, der allein blieb. Wir sollten Gefuehl und Liebe verbinden, damit wir alle gemeinsam wirklich Weihnachten feiern koennen.