Ein Deepfake ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Es kann ein verändertes Foto sein, ein Video, in dem es so aussieht, als hätten Sie etwas gesagt, was Sie nie gesagt haben, ein falsches Profil, das Ihr Gesicht verwendet, oder sexuelles beziehungsweise beleidigendes Material, das mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurde. Entscheidend ist nicht nur, ob das Material "falsch" ist, sondern ob es Sie erkennbar macht, Sie bloßstellt, Ihren Ruf schädigt, Sie bedroht oder Ihre personenbezogenen Daten ohne rechtliche Grundlage verarbeitet.

Die richtige Reihenfolge der Schritte

Wenn Sie ein Deepfake-Foto oder -Video sehen, das Sie betrifft, beginnen Sie nicht mit wütenden Kommentaren unter dem Beitrag. Beginnen Sie mit Beweisen, Dokumentation und einer richtigen Reihenfolge: URL und Screenshots sichern, Meldung an die Plattform, Löschung verlangen, wo eine Grundlage besteht, und mit einer Anwältin, einem Anwalt oder den Behörden sprechen, wenn Drohung, Erpressung, sexuelles Material, Minderjährige oder ein erheblicher beruflicher Schaden im Raum stehen.

Dieser Leitfaden erklärt in einfacher Sprache, was eine Bürgerin oder ein Bürger in Griechenland und in der Europäischen Union tun kann. Er ersetzt keine individualisierte Rechtsberatung, denn jeder Fall hängt von den tatsächlichen Umständen ab: wer das Material hochgeladen hat, wo es veröffentlicht wurde, ob Gesicht oder Stimme erkennbar sind, ob sexuelles Material vorliegt, ob Minderjährige betroffen sind, ob Geld verlangt wird, ob Beruf oder Familie beeinträchtigt werden und ob das Material bereits weiterverbreitet wurde.

Was ein Deepfake praktisch ist

Mit dem Begriff Deepfake meinen wir meistens digitale Inhalte, die mit Künstlicher Intelligenz erstellt oder verändert wurden, damit sie echt wirken. Das kann Bild, Ton oder Video betreffen. Einfach gesagt: Ihr Gesicht, Ihre Stimme oder Ihr Bild wird verwendet, um den Eindruck zu erwecken, Sie hätten etwas getan, etwas gesagt oder seien irgendwo gewesen, obwohl das nicht geschehen ist.

Nicht alle Deepfakes sind schon für sich genommen rechtswidrig. Eine klar gekennzeichnete satirische Darstellung ist etwas anderes als ein Unterrichtsbeispiel, und beides ist etwas anderes als ein Beitrag, der vorgibt, echt zu sein und Sie bloßstellt. Das Recht interessiert sich für Wirkung, Zweck, Einwilligung, Erkennbarkeit der Person, Verletzung des Persönlichkeitsrechts, Datenverarbeitung, Verleumdung oder üble Nachrede, Drohung, Erpressung oder die Verwendung privaten beziehungsweise sexuellen Materials.

Erste Schritte in den ersten Stunden

Der größte Fehler ist, den Beweis zu verlieren. Plattformen löschen Inhalte, Täter ändern Nutzernamen, Stories verschwinden nach 24 Stunden und Links können nicht mehr funktionieren. Bevor Sie melden, bevor Sie dem Täter schreiben und bevor Sie öffentlich antworten, sichern Sie Belege.

Wenn es jetzt geschieht Erste Reaktion Warum es wichtig ist
Ein falsches Foto oder Video wurde hochgeladen Sichern Sie URL, Screenshots, Datum, Uhrzeit, Kontonamen und Profil-ID, soweit sichtbar. Das Material kann schnell gelöscht werden. Ohne Nachweise wird der Fall schwieriger.
Man droht Ihnen, es zu veröffentlichen Zahlen Sie nicht und senden Sie kein neues Material. Sichern Sie alle Nachrichten und sprechen Sie sofort mit Anwalt oder Behörden. Die Drohung kann mit Erpressung oder anderem strafbaren Verhalten zusammenhängen.
Arbeitgeber, Kunde oder Familie hat es gesehen Sichern Sie Nachweise der Verbreitung und Nachrichten Dritter, die die Wirkung zeigen. Das Ausmaß des Schadens hilft bei der Bewertung zivil- und strafrechtlicher Ansprüche.
Es gibt sexuelles Material oder Minderjährige sind betroffen Handeln Sie sofort. Veröffentlichen Sie das Material nicht erneut, um es "zu zeigen". Holen Sie anwaltlichen Rat ein und wenden Sie sich an zuständige Behörden. Der Fall kann besonders schwerwiegend sein und muss vorsichtig behandelt werden, damit keine neue Verbreitung entsteht.

1. Beweis

Sichern Sie vollständige Screenshots mit Adresszeile, Datum/Uhrzeit, Nutzername, Kommentaren, Zahl der Aufrufe und jeder Nachricht, die Drohung oder Zweck erkennen lässt.

2. Meldung

Nutzen Sie den Meldemechanismus der Plattform und wählen Sie den passenden Grund: impersonation, harassment, non-consensual intimate content, privacy oder illegal content.

3. Rechtliches Vorgehen

Wenn erhebliche Bloßstellung, finanzieller Schaden, Drohung, sexuelles Material oder Minderjährige betroffen sind, genügt ein Report nicht. Es braucht geordnete rechtliche und technische Dokumentation.

Welche Beweise sollte ich sichern?

Der technische Sachverstand ersetzt nicht die Anwältin oder den Anwalt, und die anwaltliche Prüfung ersetzt nicht die technische Dokumentation. In solchen Fällen müssen beide zusammenarbeiten. Die anwaltliche Seite braucht ein klares Bild des rechtlichen Rahmens, und die technische Seite hilft, entscheidende Spuren nicht zu verlieren.

Element Wie Sie es sichern Was es zeigt
URL des Beitrags Vollständigen Link kopieren, nicht nur einen Screenshot machen. Wo das Material veröffentlicht war und welche Plattform beteiligt ist.
Screenshot mit Kontext Browser/App, Datum, Uhrzeit, Profil, Kommentare und Beschreibung sollen sichtbar sein. Inhalt, Verbreitung und Kontoidentität zu diesem Zeitpunkt.
Bild- oder Videodatei Speichern Sie die Originaldatei, soweit möglich, ohne sie erneut zu veröffentlichen. Mögliche technische Analyse, Metadaten, Hash und Vergleich mit anderem Material.
Droh-Nachrichten Sichern Sie Chatverlauf, Profile, Nummern, E-Mails, Daten und etwaige Zahlungsforderungen. Möglicher Zweck, Erpressung, Belästigung oder wiederholtes Verhalten.
Antworten der Plattform Speichern Sie Report-Nummer, Bestätigungs-E-Mail und Entscheidung. Ob die Plattform informiert wurde und wie sie reagiert hat.

Vorsicht vor weiterer Verbreitung

Wenn das Material sexuell ist, Minderjährige betrifft oder sehr persönliche Daten enthält, senden Sie es nicht unbedacht an Freunde oder öffentliche Gruppen, damit sie "helfen". Eine Weiterverbreitung kann den Schaden vergrößern und zusätzliche rechtliche Risiken schaffen. Zeigen Sie es nur einer Anwältin, einem Anwalt, einer zuständigen Behörde oder einem technischen Berater auf sichere Weise.

Welche Rechte kann ich haben?

In der Praxis kann ein Deepfake-Fall auf mehr als einer rechtlichen Grundlage beruhen. Es gibt nicht immer einen einzigen Artikel, der das ganze Problem "löst". Häufig werden Datenschutz, Verletzung des Persönlichkeitsrechts, Rufschädigung, Drohung, Erpressung, nicht einvernehmliche Verbreitung privaten Materials und Pflichten der Plattformen gemeinsam geprüft.

Personenbezogene Daten und DSGVO

Das Bild einer erkennbaren Person, die Stimme, der Nutzername, Profilangaben, das Video und der Kontext des Beitrags können personenbezogene Daten sein. Wenn jemand diese Daten ohne rechtliche Grundlage verarbeitet, kann je nach Fall Löschung, Einschränkung oder eine andere Maßnahme verlangt werden. Das Recht auf Löschung ist nicht absolut, aber ein wichtiges Instrument, wenn das Material rechtswidrig, unrichtig, beleidigend ist oder keine rechtliche Grundlage für seine Speicherung besteht.

Die griechische Datenschutzbehörde erläutert, dass das Recht auf Löschung mit Artikel 17 DSGVO verbunden ist und dass unter Voraussetzungen auch die Entfernung von Suchmaschinenergebnissen verlangt werden kann. Praktisch bedeutet das: Man betrachtet nicht nur den ursprünglichen Beitrag, sondern auch, wo er erscheint, wenn jemand Ihren Namen sucht.

Persönlichkeit, Bild und Ruf

Im Zivilrecht kann eine rechtswidrige Verletzung des Persönlichkeitsrechts zu Ansprüchen auf Beseitigung der Beeinträchtigung, Unterlassung für die Zukunft und, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, Schadensersatz oder Geldentschädigung wegen immateriellen Schadens führen. Für Betroffene übersetzt sich das in praktische Forderungen: Das Material soll entfernt werden, die Wiederholung soll aufhören, das entstandene Bild soll korrigiert und der Schaden bewertet werden.

Strafrechtlicher Teil

Je nach Inhalt und Verhalten des Täters können Straftaten wie üble Nachrede oder Verleumdung, Drohung, Erpressung, Verletzung der Vertraulichkeit, nicht einvernehmliche Veröffentlichung von Material mit Bezug zum Sexualleben oder besondere Straftaten bei Beteiligung Minderjähriger in Betracht kommen. Es sollte keine vorschnelle juristische Etikettierung ohne Akte erfolgen, denn Details können die Bewertung verändern.

Fall Was rechtlich geprüft wird Praktischer nächster Schritt
Falsches Video, das Sie scheinbar etwas Beleidigendes sagen lässt Persönlichkeitsrechtsverletzung, Rufschädigung, Verarbeitung personenbezogener Daten. Beweise, Plattformmeldung, rechtliche Prüfung auf Entfernung und mögliche Ansprüche.
Deepfake sexuellen Charakters Nicht einvernehmliche Verbreitung/Veröffentlichung von Material, personenbezogene Daten, schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung. Sofortige anwaltliche Hilfe, Meldung an die Plattform, sorgfältige Dokumentation ohne Weiterverbreitung.
Drohung, ein Deepfake hochzuladen, wenn Sie nicht zahlen Mögliche Drohung oder Erpressung, abhängig vom Inhalt der Nachrichten. Zahlen Sie nicht ohne Beratung. Sichern Sie alle Nachrichten und handeln Sie sofort.
Material betrifft Minderjährige Besonderer erhöhter Schutz, mögliche strafrechtliche Dimensionen und Pflicht zu vorsichtigem Umgang. Sofort Anwalt und zuständige Behörden kontaktieren. Verbreiten Sie das Material aus keinem Grund weiter.

Welche Pflichten haben Plattformen?

Große Plattformen können nicht jede ernsthafte Meldung wie einen einfachen Kommentar behandeln. Der Digital Services Act (DSA) sieht Notice-and-Action-Mechanismen für rechtswidrige Inhalte vor. In Griechenland hat die EETT die Rolle des Koordinators für digitale Dienste und stellt Hinweise zu Beschwerden über Verstöße gegen den DSA durch Anbieter vermittelnder digitaler Dienste bereit.

Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das, dass der Report konkret sein muss. Die allgemeine Aussage "das ist falsch" reicht oft nicht. Besser ist es zu schreiben, dass das Material Ihr Bild oder Ihre Stimme ohne Einwilligung verwendet, dass es manipuliert ist, dass es Sie bloßstellt, dass privates oder sexuelles Material vorhanden ist, soweit dies zutrifft, dass Drohungen bestehen, soweit dies zutrifft, und genaue URLs anzugeben.

Was sich durch Künstliche Intelligenz und den AI Act ändert

Die Verordnung (EU) 2024/1689 über Künstliche Intelligenz legt besondere Transparenzpflichten für KI-Systeme und künstlich erzeugte oder manipulierte Inhalte fest. Für Deepfake-Inhalte lautet die Logik: Der Empfänger soll erkennen können, dass das, was er sieht oder hört, künstlich erzeugt oder verändert wurde, außer in besonderen Fällen wie eindeutig kreativem oder satirischem Inhalt, bei dem die Kennzeichnung die Erfahrung nicht zerstören soll.

Das bedeutet nicht, dass jedes Opfer auf den AI Act warten muss, um sich zu schützen. Es gibt bereits Instrumente aus dem Zivilrecht, Strafrecht, Datenschutzrecht und Plattformrecht. Der AI Act zeigt aber, dass Europa Deepfakes als Frage von Transparenz und Vertrauen behandelt, nicht als bloße technische Mode.

Praktischer Text für eine Plattformmeldung

Formulierungsbeispiel

"Der Inhalt unter dem Link [URL] verwendet mein Bild/meine Stimme ohne Einwilligung und erscheint als authentisch, obwohl er manipuliert oder mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurde. Er stellt mich persönlich/beruflich bloß, und ich verlange seine sofortige Entfernung. Bitte bewahren Sie die relevanten Daten für ein mögliches rechtliches Verfahren auf."

Wenn sexuelles Material, Drohung, Minderjährige oder finanzielle Erpressung vorliegen, muss der Text vorsichtiger und in der Regel mit rechtlicher Anleitung formuliert werden.

Wann sofort anwaltliche Hilfe erforderlich ist

Sprechen Sie sofort mit einer Anwältin oder einem Anwalt, wenn das Material Ihnen beruflichen Schaden zufügen kann, Ihre private oder sexuelle Lebenssphäre betrifft, auf mehreren Plattformen erscheint, der Täter Geld verlangt, Minderjährige betroffen sind oder die Plattform trotz Meldung nicht tätig wird. In solchen Fällen zählt eine schnelle, aber richtige Reaktion mehr als eine öffentliche Auseinandersetzung. Wenn Drohung, Erpressung oder schwere Online-Belästigung vorliegt, beachten Sie auch den öffentlichen Weg zur Direktion zur Bekämpfung der Cyberkriminalität über gov.gr.

Checkliste für die Akte für Anwalt oder technischen Berater

  • Vollständige URLs aller Beiträge und Profile.
  • Screenshots mit Datum, Uhrzeit und Nutzername.
  • Originale Bild- oder Videodateien, soweit vorhanden.
  • Droh-Nachrichten, Geldforderungen oder Anweisungen des Täters.
  • Antworten der Plattform und Report-Nummern.
  • Nachweise der Verbreitung: wer es gesehen hat, wo es weiterverbreitet wurde, welchen Schaden es verursachte.
  • Wenn Minderjährige oder sexuelles Material betroffen sind, notieren Sie dies klar, ohne das Material weiterzugeben.

Häufige Fragen

Soll ich öffentlich antworten, dass es falsch ist?

Manchmal ist eine öffentliche Richtigstellung nötig, aber nicht bevor Beweise gesichert wurden. Eine überstürzte öffentliche Antwort kann dem Material mehr Sichtbarkeit geben oder zu einer neuen Auseinandersetzung führen. Zuerst Dokumentation, dann Strategie.

Reicht ein Report?

Nicht immer. Der Report ist nützlich für eine schnelle Entfernung, löst aber für sich genommen weder Schadensersatz, immateriellen Schaden, strafrechtliche Bewertung noch wiederholte Verbreitung. Wenn der Schaden schwerwiegend ist, braucht es eine geordnete Akte.

Kann ich Löschung bei Google verlangen?

Unter Voraussetzungen kann die Entfernung von Ergebnissen verlangt werden, die bei Suche nach Ihrem Namen erscheinen. Das ist etwas anderes als die Löschung des ursprünglichen Beitrags. Häufig braucht es beides.

Was, wenn der Täter unbekannt ist?

Das bedeutet nicht, dass nichts getan werden kann. URLs, Plattformen, Zeiten, Nutzernamen, E-Mails, Zahlungen oder Nachrichten können helfen. Die Identifizierung braucht aber ein rechtmäßiges Verfahren und erfolgt nicht durch private "Jagd".

Quellen und nützliche Links

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine individualisierte Rechtsberatung dar. Für einen realen Fall, insbesondere bei Drohung, Erpressung, sexuellem Material oder Minderjährigen, holen Sie sofort spezialisierte rechtliche Hilfe ein.