Das Erscheinungsbild der Schüler

sollte von Angemessenheit geprägt sein

Ein Gymnasiast ging mit einem Rock zur Schule. Ein Lehrer soll nach einer Beschwerde eine Bemerkung gemacht haben, die als beleidigend gegenüber dem Schüler angesehen wurde. Außerdem bat der Lehrer den Schüler, zum Büro des Schulleiters zu gehen.

Der Schulleiter benachrichtigte die Eltern des Schülers. Als sie in der Schule eintrafen, verlangten sie Erklärungen für die Reaktion des Lehrers gegenüber ihrem Kind.

Am nächsten Tag reagierten Schülerinnen und Schüler, um ihren Mitschüler zu unterstützen, auf fantasievolle Weise auf den Vorfall: Die Jungen trugen Röcke und die Mädchen Krawatten. Sie bewiesen, dass sie Nachkommen des Aristophanes sind.

Der Generalsekretär des Bildungsministeriums ordnete an, den Vorfall zu untersuchen, also die Bemerkung des Lehrers über den Rock des Schülers. Außerdem erklärte er: Unser grundlegendes Ziel ist es, eine demokratische, inklusive Schule zu schaffen, die Andersartigkeit akzeptiert, der Gesellschaft offensteht und über sensibilisierte Lehrkräfte verfügt.

Schließlich lauten die seit Langem bestehenden Anweisungen des Bildungsministeriums, die auch heute gelten: Das Erscheinungsbild der Schüler muss von Angemessenheit geprägt sein. Erscheinungen der Zurschaustellung sind zu vermeiden. Übertreibungen entsprechen nicht der Schülereigenschaft.

So liegen die Fakten. Diese Fakten werfen jedoch berechtigte Fragen auf. Konkret:

A) Warum ging der Schüler mit einem Rock zur Schule? Wusste er als Gymnasiast nicht, dass sein Erscheinungsbild von Angemessenheit geprägt sein muss?

B) Die Bemerkung des Lehrers ist nicht bekannt, also auch nicht, ob sie beleidigend war oder nicht. In jedem Fall war eine Bemerkung über das unangemessene Erscheinungsbild des Schülers geboten. Und zu Recht - vollkommen zu Recht - verwies er den Schüler an den Schulleiter.

C) Der Schulleiter rief die Eltern zu Recht - vollkommen zu Recht - in die Schule. Und hier liegt das Merkwürdige: Die Eltern verlangten Erklärungen für die Reaktion des Lehrers gegenüber ihrem Kind. Das zeigt, dass sie vom Rock ihres Kindes wussten und ihn billigten. Unabhängig von ihren Ansichten über die Kleidung ihres Kindes hätten sie jedoch wissen müssen: Erstens muss das Erscheinungsbild der Schüler von Angemessenheit geprägt sein, also hätten sie ihr Kind nicht mit einem Rock zur Schule schicken dürfen. Zweitens hätten sie an mögliche negative bis spöttische Kommentare anderer Schüler denken müssen.

Selbstverständlich interessiert die sexuelle Orientierung des Kindes die Eltern. Sie wissen Bescheid und entscheiden unter Berücksichtigung des Kindeswohls. Die sexuelle Orientierung steht aber auch in Zusammenhang mit der Erziehung des Kindes.

Die Eltern spielen die erste und wichtigste Rolle bei der Erziehung der Kinder. Sie tragen große Verantwortung; deshalb müssen sie ihre Rolle mit besonderer Aufmerksamkeit ausüben. Vor allem im Säuglings- und Kindesalter, in dem die Persönlichkeit des Kindes aufgebaut wird.

Von der Beziehung zwischen Kind und Eltern hängt die künftige Entwicklung des Kindes ab. Gute Eltern werden Erfolg haben, ob sie Kenntnisse über Theorien der Kindesentwicklung haben oder nicht. Wenn sie solche Kenntnisse haben, können die Probleme der Erziehung leichter werden.

Das Kind entwickelt sein "Ich" und seine Persönlichkeit vor allem durch die Beziehungen seiner Eltern und die Beziehungen zu anderen Personen seines Umfelds. Die Erkenntnisse der Psychologie sind eindeutig: "Alle Weisheit und alles Wissen der Welt über die Erziehung des Kindes können die engen menschlichen Bindungen, die familiären Bindungen, nicht ersetzen, die das grundlegende zentrale Motiv der menschlichen Entwicklung bilden."

Die Persönlichkeit des Menschen wird hauptsächlich in den ersten fünf Jahren geformt. Eltern müssen ihren Kindern unter anderem beibringen, alle Speisen zu essen, das Leben zu lieben und optimistisch zu sein, andere zu respektieren, am Tag zu arbeiten und nachts zu schlafen, frei und verantwortlich zu sein, der Logik des "Maßes" zu folgen und so weiter.

Weil es viele Sirenen gibt, geht es darum, dass Eltern rechtzeitig handeln, damit ein Junge nicht einen Rock tragen möchte. Sie sollten dem Jungen beigebracht haben, stolz darauf zu sein, ein Junge zu sein, und dem Mädchen, stolz darauf zu sein, ein Mädchen zu sein.

Pavlos Marantos

marantosp@gmail.com