Archivhinweis: Der Text stammt aus dem alten Archiv von Nomika Epilekta und wird sorgfaeltig fuer eine historische und informative Lektuere erhalten.

Die sogenannte Krise sei, so fragt der Text, durch Mangel an Politik oder durch Mangel an Geld entstanden. Seine Antwort lautet: Der Geldmangel zur Deckung staatlicher Beduerfnisse sei Folge eines politischen Problems. Die Staatsbeduerfnisse seien nach der Machtuebernahme persoenzentrierter Parteien stark angewachsen; diese Parteien haetten ihren Aufstieg auf die Verteilung oeffentlicher Gelder gestuetzt und nach der Leerung der Staatskassen die Macht durch Mittel aus wucherischen Krediten gesichert.

Mit Geld seien Stimmen gekauft worden, die viele Landsleute an politische Feudalherren und deren Erben verkauft haetten. Die Nachfolgeparteien des Karamanlismus und Papandreismus haetten durch Verschwendung die nationale Wirtschaft untergraben, staatliche und gesellschaftliche Strukturen zerstoert und den Wandel der Einwohner Griechenlands von Buergern Europas zu Bettlern der Welt vorbereitet. Die Mehrheit habe die voruebergehenden Gueter eines kuenstlichen Wohlstands genossen, ohne die Vertreter zu kontrollieren und ohne an Moral, Ehrlichkeit und Tugend festzuhalten.

Vorherrschend sei das alte Motto Brot und Spiele gewesen: Scheinbeschaeftigungen, mehrere Autos, Eigenheime, Ferienhaeuser, Konsumexzesse, Fussball und oeffentliche Zurschaustellung. Waehrend in Athen Reste des Neoklassizismus brannten, haetten Vertreter im Parlamentspalast mit Aufmerksamkeit ein Fussballspiel verfolgt. Das wirtschaftliche Problem sei daher aus einem politischen Problem hervorgegangen und bleibe unloesbar, solange dieses politische Problem nicht geloest werde.

Der Text fordert neue politische Akteure mit Wissen, Faehigkeiten, Ehrlichkeit, Arbeitsethos, Konsequenz und Charakter, frei von Balkan-Komplexen, wonach "wir immer recht haben und die anderen gegen uns verschworen sind". Notwendig sei ein radikaler Mentalitaetswechsel: weg von Chauvinismus, Verschwörungsszenarien, ideologischen Fixierungen, extremen Protestformen und Bildungsverwahrlosung, hin zu Ernsthaftigkeit, Verantwortung bei der Wahl von Vertretern, echter Arbeit, Solidaritaet, Versoehnung und Kontrolle der Rechtsverletzer.

Zugleich warnt der Text vor neuen "Rettern", die nach dem Verfall der Parteien mit Parolen fuer Drachme, nationale Unabhaengigkeit oder Wuerde auftreten, obwohl sie selbst zuvor in gescheiterten Parteiformationen dienten. Die Auswahl neuer Vertreter verlange groesste Vorsicht, weil die bisherigen Kriterien versagt haetten. Statt Klage ueber die selbst gewaehlten Vertreter brauche es Zorn ueber die eigenen Fehler und gegen politische Betrueger, die in Fernsehsendungen weiterhin belehrten und Phrasen wiederholten.

E. Papadakis