Archivvermerk: Der Text stammt aus dem alten Archiv von Nomika Epilekta und wird mit Sorgfalt für eine historische und informative Lektüre bewahrt.

Grundlegendes Merkmal der Demokratie ist die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz. Mit anderen Worten unterliegen alle Bürger ohne Unterschied den Gesetzen, müssen sie achten und werden bestraft, wenn sie sie verletzen.

Dieses demokratisch Selbstverständliche wird im modernen Griechenland nicht angewandt, weil die meisten Mächtigen, die "Starken" der byzantinischen Zeit oder die "Notabeln" der Fremdherrschaft, nicht bestraft werden, wenn sie gegen die Gesetze verstoßen, sondern dafür vielfach sogar gelobt werden.

Die Beispiele der Straflosigkeit der Mächtigen sind unendlich und bilden die Regel, ebenso wie die Beispiele der Schwachen und wirtschaftlich Geringen unendlich und regelhaft sind, die übermäßige und oft unmenschliche, vernichtende und zur Übertretung unverhältnismäßige Strafen erleiden.

Es hat sich die Auffassung verfestigt, dass der wirtschaftlich und sozial, also politisch, Mächtige nicht bestraft wird und stets obsiegt, während der sozial und wirtschaftlich Schwache verfolgt wird.

Nützlich wäre eine Untersuchung über die in den letzten Jahren verhängten Strafen sowie über die Verurteilten und vor allem die Inhaftierten. Aus ihr ließen sich nützliche Schlüsse ziehen, und die vorstehende Beobachtung würde wohl eher bestätigt als widerlegt werden, weil in der Regel diejenigen inhaftiert werden, die nicht über die Mittel verfügen, sich zu verteidigen, und nicht immer die wirklich Schuldigen. Eine solche Untersuchung werden wir mit allen legalen Mitteln anstreben.

Diese Lage ist auf die Struktur der modernen Gesellschaft zurückzuführen und insbesondere darauf, dass es scheint, als gebe es keine gesellschaftliche Orientierung, keine sozialen Werte und keine Prinzipien. Festzustellen sind eine Herabstufung der Bildung, der Erziehung und der Volksbildung sowie die Herrschaft der Skrupellosen, Opportunisten und derjenigen mit politischen Beziehungen, Verbindungen und Zugängen zusammen mit gewaltigen wirtschaftlichen Ressourcen.

Die jeweiligen Vertreter des staatlichen Mechanismus der Rechtspflege respektieren und ehren die Mächtigen besonders und verachten die Schwachen. Diese Feststellung ergibt sich unter anderem aus den geführten Prozessen und ihrem Verlauf.

Allgemein hat die Lage im modernen Griechenland einen Punkt erreicht, an dem es nicht mehr weitergeht. Deshalb müssen sofortige Maßnahmen von denjenigen ergriffen werden, die Zuständigkeit beanspruchen, aber auch von der gesamten Gesellschaft und von jedem einzelnen Bürger, damit die Gleichheit vor dem Gesetz wiederhergestellt wird, wie sie als grundlegendes Recht und grundlegender Grundsatz von der Verfassung sowie von internationalen Abkommen, Übereinkommen, Verträgen und Erklärungen vorgesehen ist.