Archivhinweis: Der Text stammt aus dem alten Archiv von Nomika Epilekta und wird sorgfaeltig fuer eine historische und informative Lektuere erhalten.
Die griechischen Waehler seien, so der Text, immer anfaellig fuer Demagogie gewesen; nun haetten sie noch einen Schritt weiter getan, indem sie Populisten belohnten, die Feinde und Suendenboecke benennen, denen alle Fehler zugeschoben werden koennen. Nur die Waehler selbst seien angeblich nie schuld, nach dem verfehlten Motto, der Kunde habe immer recht. Gerade diese Haltung gehoere jedoch nicht in den Raum wichtiger nationaler Entscheidungen.
Vor den erneuten Wahlen im Juni stellt der Text verschiedene Logiken des Wahlverhaltens vor. Eine sei die rein fussballerische Logik: Ich gehoere dorthin und waehle dort, koste es, was es wolle. Eine andere fragt nach Ideen, Personal und Programm der Parteien. Doch auch diese Logik fuehre in der damaligen Lage zu keinem sicheren Ergebnis, weil keine Partei ein vollstaendiges Programm habe, die Ideen aus Wiederholungen und Unbestimmtheiten bestuenden und die Parteifuehrer charakterlich kaum Vertrauen einfloessten.
Die Kritik trifft mehrere politische Lager. Fuehrungsfiguren der alten Parteien haetten kein klares Bild zur Loesung der grossen gesellschaftlichen Probleme. Syriza, im Text polemisch als Xyriza bezeichnet, spiele nach dieser Darstellung ein riskantes Roulettespiel: Es gehe davon aus, dass die EU Griechenland nicht aus dem Euro draengen werde, selbst wenn das Memorandum verworfen werde. Gewinne diese Wette, blieben Schuldenproblem, sinkender Lebensstandard und ein Kafka-artiger Staatsapparat bestehen; verliere sie, drohe mit der Drachme unbeschreibliches Elend.
Der Text weist auch die hysterische Berufung auf nationale Souveraenitaet zurueck, etwa bei europaeischen Vorschlaegen zu einem Referendum. Ein Vorschlag eines europaeischen Fuehrers koenne angenommen oder abgelehnt werden, ohne melodramatische Reaktionen. Wenn Griechenland Mitglied der Europaeischen Union sei, werde ohnehin ein grosser Teil nationaler Souveraenitaet gemeinsam ausgeuebt. Deutsche seien dann nicht einfach Fremde, und es sei beschämend, sie staendig mit Hitler und Hakenkreuzen zu beschimpfen.
Da keine politische Kraft ueber ueberzeugende Programme verfuege, plaediert der Autor fuer die Logik des kleineren Uebels. In einem sehr schlechten Feld muesse man die weniger schädliche Moeglichkeit waehlen. Seine polemische Schlussfolgerung ist, dass die bekannten alten Parteien trotz ihrer Schuld als kalkulierbareres Uebel erscheinen koennten als neue populistische Wetten. Der Text bleibt damit ein scharfer, historisch gebundener Kommentar zu Waehlern, Populismus, Euro, Souveraenitaet und politischer Vernunft.
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