Archivvermerk: Der Text stammt aus dem alten Archiv von Nomika Epilekta und wird mit Sorgfalt für eine historische und informative Lektüre bewahrt.
Zacharias, geboren im Jahr 1969, ledig, arbeitslos, grundlosbesitzlos und daher unzuverlässig, hatte zufällig in der Vergangenheit zwei Jahre lang ein Geschäft betrieben und eine im Verhältnis zu seinen Einkünften vielfache Steuerschuld von 70.000 Euro geschaffen, die der Staat wiederholt eingefordert hatte, ohne sie zu erhalten.
So ging der Staat zur Zwangseinziehung der Schuld über und pfändete als einzig geeignetes Objekt, um seine vorgenannte Forderung gegen Zacharias soweit wie möglich zu befriedigen, einen gebrauchten Plattenspieler des Typs AKAI, Baujahr 1980, im Wert von 200 Euro, der die Frechheit hatte, in der armseligen Wohnung des genannten Widerstrebenden seinen letzten Atem zu tun.
Daraufhin erhob Zacharias Einspruch gegen die Pfändung und zahlte an Gerichtskosten das Dreifache des Werts seines Gegenstands.
An dem Vorstehenden hat mich nichts nachdenklich gemacht, denn nichts macht mich inzwischen noch nachdenklich. Was mich jedoch wach hielt, war die Frage, warum ausgerechnet mir von allen verständigen und geschätzten Richterkollegen der Einspruch des Zacharias zugeteilt wurde.
Ich weiß nicht, ob das Schicksal weise ist; intrigant ist es jedenfalls. Denn sofort gewann ich den altgedienten Plattenspieler lieb. Und in dieser Aktenmappe las ich noch einmal all die zerkratzten Bluesplatten, die ich vergessen hatte. Als ich im Tenor die Aufhebung der Pfändung freigab, sah ich tatsächlich Zacharias, wie er liebevoll das Vinyl auf jenes alte Ding legte, eine Weihgabe an alles, was er verloren hatte. Und auch ich lauschte jenem süßen Röcheln, das nur alte Lieben singen.
Comments
Share your thoughts about this article.
No comments yet. Be the first to comment.
Submit a comment