Archivhinweis: Der Text stammt aus dem alten Archiv der Νομικά Επίλεκτα und wird mit Sorgfalt für eine historische und informative Lektüre bewahrt.

Ein von der PASOK unabhängig gewordener Abgeordneter erklärte am Abend des 03.11.2011, es gebe eine Kluft zwischen Politikern und Gesellschaft...

Sie sei infolge der Wirtschaftskrise, der widersprüchlichen Maßnahmen, der äußerst schweren Steuern und der Not entstanden...

Wir korrigieren ihn. In unserem Land bestand immer eine unüberbrückbare Kluft zwischen Volk und Politikern, besonders zwischen Volk und Abgeordneten sowie Parteifunktionären, die Ämter innehatten und an der staatlichen Macht teilnahmen.

Nicht nur die der Regierung nahestehenden Politiker, sondern auch jene, die in den Heerscharen der Parteien und Splitterparteien eingegliedert waren, besaßen im Lauf der Zeit Macht und waren kraft dieser Macht überlegen.

Sie ersetzten würdig die Kotzabasiden und die Honoratioren der Fremdherrschaft und übernahmen deren Privilegien, Macht und Bequemlichkeiten. Sogar ihre Sprache. Das geschah, weil das griechische Volk seine Traditionen wahrt. Um jeden Preis. Es geht nicht mit der Zeit. Es bleibt in der Vergangenheit. Und es ehrt, was es übernommen hat. Es erkennt nicht, dass wir im 21. Jahrhundert der rasanten Veränderungen, der Infragestellungen und der Umbrüche leben.

Darum erhielten sich die politischen Dynastien jener Führer, die ungestört regierten und regieren, indem sie zusammen mit ihren Verwandten, Freunden und engen Vertrauten unglaublichen Reichtum, Macht und Ruhm anhäuften.

Welcher Bürger kann einen Politiker, Minister, Generalsekretär oder auch nur den letzten Regierungs-Mitläufer treffen? Ohne Vermittlung und ohne das Einschalten eines Mächtigen („Faktors“)?

Vom Ministerpräsidenten und vom Präsidenten der Republik braucht man gar nicht erst zu sprechen. Sie sind unzugänglich. Sie sind von ihrem Hof und ihren Hofschranzen umgeben wie die Kaiser des römischen Niedergangs. Gemeinsam genießen sie die Macht, wie nur sie es verstehen. Sie leben wie Parasiten. Ohne Kontrolle. Unantastbar. Prahlend, Unrecht tuend und die Ämter, die Institutionen und das Land entwürdigend.

Folglich ist die Kluft nicht infolge der Krise entstanden. Sie bestand immer und war das Hindernis zwischen Volk und Macht, Volk und Politik.

Talentlose, ungebildete, beruflich gescheiterte Menschen, unfähig, auch nur einen Kiosk in einem abgelegenen Dorf am Taygetos zu verwalten, verwandeln sich, sobald sie hinaufgeklettert und zu Politikern mutiert sind. Sie trennen sich vom Volk durch eine Kluft. Sie werden unerreichbar. Nur schwer zu Gesicht zu bekommen. Sie reißen den Schöpflöffel an sich und stürzen sich darauf, bis zum Bersten zu essen. Das Fleisch des Landes selbst.

In unserem Land gibt es keine demokratische Bildung. Und dieser Mangel vergrößert die Kluft zwischen Politikern und Volk. Deshalb wird der Parteiführer vergöttert, gilt als unfehlbar, und alle bringen ihm, ohne dazu verpflichtet zu sein, absolute Treue und Hingabe entgegen.

Wegen der Kluft zwischen Politikern und Gesellschaft können Erstere die Bedürfnisse des Volkes nicht wahrnehmen und machen, isoliert, einen Fehler nach dem anderen. Erfolg haben sie nur bei ihrer Bereicherung, die sie als unveräußerliches Recht betrachten. Auch sie haben ihre erworbenen Ansprüche und sind, wie die Mitglieder der Zünfte, abgesichert.

Der Bürger hat keine Möglichkeit, mit irgendeinem Politiker, ob aus Regierung oder Opposition, unmittelbar zu kommunizieren. Sekretäre, Angestellte, Wachen und andere Zwischenstellen treten dazwischen und schließen die Kommunikation der Plebejer mit den Patriziern der Politik aus.

Eine entsprechende Behandlung erfährt der Bürger auch durch Funktionsträger aller Staatsgewalten. Der Bürger kann keinen Minister treffen, ohne zahlreiche Prüfungen und Erniedrigungen des Wartens, der Vertagung und der Kontrollen zu erleiden, es sei denn, er gehört zu den höheren Einkommens- oder Parteiklassen. Der Bürger kann keinen Abgeordneten treffen, es sei denn, er gehört denselben Klassen an. Der Bürger kann keinen Richter auch nur ansehen, es sei denn, er gehört zu den Privilegierten (zu den Patriziern).

Zwischen der Bürgergesellschaft und den Politikern, zu denen die Funktionsträger aller drei Gewalten zählen, besteht eine Kluft, die nur die wahre Demokratie überbrückt, die aus Bildung hervorgeht. Ohne sie kämpfen die Idealisten vergeblich, über die Miguel de Cervantes im Don Quijote schrieb...