Ökumenische Patriarchat
Die Habgier und Gefräßigkeit des Zaren Putin haben jedes Maß überschritten. Sie wurden zur Hybris, deshalb wird die Nemesis folgen. Putin will unterworfene Völker, wie einst das Russische Reich und die Sowjetunion.
Darüber hinaus dürfen die Griechen den Krieg nicht vergessen, den das orthodoxe Russland gegen das Ökumenische Patriarchat führt. Dieser Krieg begann 1453, unmittelbar nach dem Fall der Stadt. Die Russen betrachteten sich als Fortsetzer von Byzanz und übernahmen deshalb den Doppeladler. Seitdem nehmen die Versuche Russlands, den Platz der Stadt einzunehmen und das Dritte Rom zu werden, kein Ende.
Eine der jüngeren Episoden des Konflikts zwischen Russland und dem Ökumenischen Patriarchat ist die Anerkennung der Autokephalie der Ukrainischen Kirche im Jahr 2018 auf Antrag der ukrainischen Kirche. Selbstverständlich erfüllte der Ökumenische Patriarch seine Pflicht. Das erzürnte jedoch Zar Putin, weshalb er öffentliche beleidigende Angriffe gegen den Ökumenischen Patriarchen führte. Warum? Weil er die ukrainische Kirche an den Wagen der russischen gebunden halten wollte, um langfristige russische Interessen zu bedienen, wie es der russische Patriarch tut.
Außerdem führt das russische Patriarchat - selbstverständlich in Ausführung von Putins Anweisungen - einen ständigen Krieg gegen den Ökumenischen Patriarchen. In letzter Zeit hat es begonnen, eigene Kirchen in Afrika zu gründen, die nicht dem Ökumenischen Patriarchat unterstehen. Das gilt als rechtswidrig und spaltet zusätzlich die orthodoxe Kirche. Wissen all das die gläubigen orthodoxen Griechen, die Putin nahestehen? Jedenfalls wundert man sich über manche demokratischen Landsleute, die den autoritären Putin bewundern.
Was die Hilfe Griechenlands für die Ukraine betrifft, so wurde sie zu Recht gewährt. Alle Länder der Union reagierten unmittelbar und entschieden, weil sie Putins Angriff als offenkundig ungerecht betrachteten. Wenn Griechenland keine Hilfe geschickt hätte, mit welchem moralischen Recht würde es bei einem Angriff der Türkei auf Griechenland Hilfe verlangen? Stellen wir klar: Russland hat die Invasion begangen. Die Ukraine verteidigt Heim und Herd. Es ist offenkundig ungerecht, Täter und Opfer gleichzusetzen. Daher wäre eine „Neutralität“ Griechenlands ungerecht und dem Recht sowie den nationalen Interessen entgegengesetzt.
Russland wird trotz der hohen Kosten militärisch siegen, ist aber politisch und moralisch bereits besiegt. Sehr bald wird sich der Sieg als Pyrrhussieg erweisen.
Der ehemalige Außenminister Nikos Kotzias stellte eine entscheidende Frage: Hat Russland das Recht, sich für sein Nachbarland Ukraine eine andere Politik zu wünschen? Ja, es darf sie wünschen, aber nur bis dahin. Es hat jedoch nicht das Recht, ihr die eigenen Auffassungen aufzuzwingen.
Daher gilt die Intervention nach dem Maßstab des Rechts als ungerecht. Gewiss hält Zar Putin die Intervention für gerecht, denn ohne Berufung auf das „Recht“ kann es keine Intervention geben. Wehe, wenn er die Intervention nicht für gerecht hielte.
Gewiss folgt auch Erdogan derselben Logik. Seit Jahren bereitet er sein Volk mit türkischer Propaganda entsprechend vor, indem er zum Beispiel sagt: die räuberischen Griechen und die benachteiligten Türken. Die Griechen, die die ganze Ägäis für sich wollten und nicht halbe-halbe, während wir Türken viel mehr bekommen müssten. Sie bewaffnen Inseln, die ihnen nicht gehören, um die Türkei anzugreifen. Und anderes Ähnliches. Das heißt: vollständige Umkehrung der Wirklichkeit. Und natürlich glaubt im Lauf der Zeit die große Mehrheit der türkischen Bevölkerung, was die Führung sagt.
Griechenland kann nicht ruhig schlafen. Es muss den bekannten Satz anwenden: „Wenn du Frieden willst, musst du auf Krieg vorbereitet sein.“ Denn der Krieg mit der Türkei wird kommen. Und wenn er kommt, wird die Frage lauten: Freiheit oder Unterwerfung?
Die Griechen haben im Lauf der Geschichte viele Male eine Antwort gegeben. Beispielhaft: mit den Dreihundert des Leonidas und dem Abschiedswort der spartanischen Mutter, „mit ihm oder auf ihm“. Und in der Revolution von 1821 mit dem Thourios des Rigas Feraios: Besser eine Stunde freies Leben als vierzig Jahre Sklaverei und Gefängnis.
Pavlos Marantos
marantosp@gmail.com
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