Archivhinweis: Der Text stammt aus dem alten Archiv von Nomika Epilekta und wird sorgfaeltig fuer eine historische und informative Lektuere erhalten.

153 Abgeordnete stuetzten die Regierung mit ihrer Stimme und erteilten ein Vertrauensvotum. Danach, so der Text, habe wieder dieselbe politische Hahnenkaempferei begonnen. Griechenland erscheine als Land dauernder Uneinigkeit, in dem man sich ueber alles und mit allen streite und in dem Streit selbst zur letzten nationalen Gewohnheit geworden sei.

Der Autor verbindet diese Lage mit Propaganda, mangelnder Bildung und jahrzehntelanger Selbsttaeuschung. Politische Lager, ob rechts, links, mitte oder gemischt, wuerden die Buerger taeuschen; zugleich taeuschten die Buerger sich selbst. Tugenden wie Ehrlichkeit, Geradlinigkeit, Konsequenz, Altruismus und Vaterlandsliebe seien in den Hintergrund getreten. Das Vertrauensvotum fuer den Fuehrer der eigenen Fraktion belohne Unzulaenglichkeit statt das Gemeinwohl.

Das Theater des Vertrauensvotums vom 4. November 2011 bestaetige nach Ansicht des Textes den Fraktionalismus. Der Autor zieht einen Vergleich zu Argentinien, nicht nur wegen Bankrott und wirtschaftlichem Absturz, sondern auch wegen der Gefahr eines griechischen Peronismus. Nach dem Votum solle der Premierminister den Praesidenten der Republik anrufen, um den Ausweg ueber eine Regierung nationaler Zusammenarbeit oder eine Uebergangsregierung zu suchen. Doch Parteifuehrer berieten, taktierten und erklaerten einzeln, ob sie eine solche Loesung unterstuetzen wuerden.

Als konkrete Forderung nennt der Text strenge Kontrolle aller beschämenden Parteiernannten im oeffentlichen Dienst. Parteipolitische Ernennungen sollten nicht fortgesetzt werden; vielmehr brauche es Regeln fuer gesellschaftliche Kontrolle und Sanktionen gegen jene, die ihre Macht missbrauchen. Vor allem aber fordert der Autor die Rueckkehr der Vernunft, den Abschied von verrosteten Berufspolitikern und die Unterstuetzung junger Menschen mit Wissen, Kraft und Faehigkeiten, die Griechenland zu sozialer Ruhe, wirtschaftlicher Entwicklung und nationaler Wuerde fuehren koennen.

E. Papadakis