Archivhinweis: Der Text stammt aus dem alten Archiv von Nomika Epilekta und wird sorgfaeltig fuer eine historische und informative Lektuere erhalten.
Wer systematisch Gerichtsverfahren verfolgt, sei es beruflich oder aus persoenlichem Interesse, fragt sich haeufig, ob die Justizgewalt tatsaechlich das Rechtsgefuehl ausdrueckt, das fuer eine gesunde gesellschaftliche Ordnung erforderlich ist. Obwohl kein Zweifel bestehe, dass Richter ein Denken der Staatsgewalt widerspiegeln, gebe es ernste Zweifel, ob viele von ihnen auch ein gerechtes Urteil besitzen.
Der Text erinnert daran, dass der Buerger selbst dann, wenn andere staatliche Gewalten versagen, glauben koennen muss, die Richter seien seine letzte Hoffnung auf Gerechtigkeit. Wenn auch Richter wie alle anderen funktionieren, gebe es keine Hoffnung mehr. Gemeint sind nicht in erster Linie Korruptionsphaenomene im Umfeld der Justiz, die der Text als Ausnahme sehen moechte, sondern die alltaegliche Ausuebung des Richteramts und die Art, in der Verhandlungen gefuehrt werden.
Der Autor kuendigt regelmaessige Hinweise auf einschlaegige Erscheinungen an: den Ablauf muendlicher Verhandlungen, Beispiele aus Zeugen- und Parteivernehmungen sowie den Inhalt von Entscheidungen. In vielen Entscheidungen erkenne er bestenfalls eine enge buerokratische Bindung an kleine Vorschriften, haeufig aber einen drakonischen, ueberstrengen Geist mit deutlicher Vorliebe fuer Freiheitsentzug statt fuer gesetzlich vorgesehene Alternativstrafen.
Vermisst werden Milde, eine weniger enge und zugleich juristischere, humanistischere und philosophischere Auslegung des Gesetzes, eine tiefere Durchdringung des Falles und etwas, das an die Law of Equity angelsaechsischer Richter erinnere. Vielleicht, so der Text, waere eine salomonische Gerechtigkeit noetig, die von Weisheit getragen wird. Was dagegen nicht fehle, sei eine oft autoritaere Machtdemonstration gegenueber Prozessparteien und Rechtsanwaelten.
Comments
Share your thoughts about this article.
No comments yet. Be the first to comment.
Submit a comment