Archivhinweis: Der Text stammt aus dem alten Archiv von Nomika Epilekta und wird sorgfaeltig fuer eine historische und informative Lektuere erhalten.

Der Text spricht in der Stimme eines sechseinhalbjaehrigen Kindes, das noch mit seinen Eltern lebt, aber spuert, dass sich dunkle Wolken zusammenziehen. An einem Junitag gehen Mutter und Vater erst zu einem Kinderpsychologen und dann zu Anwaelten. Das Kind ist nicht dabei, denn Kinder werden nicht gefragt. Alles, was es weiss, erzaehlt ihm ein gruener Papagei.

Seitdem traeumt das Kind davon, allein in einem Boot auf schwarzem Meer zu sitzen. Es versteht, dass die Eltern bei den Anwaelten ueber seine "Aufteilung" verhandeln: ueber Zeit, Wohnung, Umgang und Betreuung, als handle es sich um ein Produkt. In seiner Welt entstehen zwei Haeuser, zwei Zimmer, zwei Schrankhaelften und zwei widerspruechliche Wahrheiten.

Die Szene bei den Anwaelten zeigt Vater und Mutter, die sich nicht ansehen, und mehrere Juristen, die angeblich das Wohl des Kindes suchen. Die Eltern handeln aus Egoismus, die Anwaelte mit Fachwissen, doch niemand kann die Traurigkeit des Kindes in ein Formular pressen. Die juristischen Begriffe von Sorge und Umgang erreichen nicht den Kern seines Verlustes.

Besonders eindringlich ist die Frage, warum Erwachsene glauben, Kinder verstaenden nichts. Das Kind liest die Blicke der Eltern, hoert die kurzen Worte, spuert Wut und Schweigen. Es braucht keine Theaterauffuehrung einer heilen Familie, sondern Eltern, die miteinander sprechen, sich nicht gegenseitig beschuldigen und gemeinsam Verantwortung tragen.

Der Text kritisiert eine Trennungslogik, in der Psychologen, Anwaelte und Eltern ueber das Kind reden, ohne es wirklich zu hoeren. Am Ende bleibt ein Kind, das beide Eltern liebt, sich aber allein fuehlt und lernen muss, mit der "Liebe" bestraft zu werden, die Erwachsene fuer sein Bestes ausgeben.

Athen, 17.6.2011
Mit Hoffnung auf das Beste
Elpida