Archivhinweis: Der Text stammt aus dem alten Archiv von Nomika Epilekta und wird sorgfaeltig fuer eine historische und informative Lektuere erhalten.

Wer die griechische Krise verfolgt und die Berichte auslaendischer Sender mit jenen der griechischen Fernsehsender vergleicht, erkennt nach Ansicht des Textes einen deutlichen Unterschied. Die einen fragen nach Ursachen, Natur, Ausmass, Folgen und moeglichen Loesungen der Krise; die anderen verbringen Stunden mit verfahrensfoermigen Nebensachen und ermuendenen Auseinandersetzungen.

In den Fernsehfenstern werde darueber gestritten, ob zwei oder drei Vertreter einer Partei zu einem Treffen gingen, ob Samaras informiert war, ob Papoulias Bescheid wusste, ob Papandreou zuerst zuruecktreten oder zuerst eine neue Regierung gebildet werden sollte. Der Autor vergleicht diese Debatten mit einem Streit darueber, ob man erst die Zeitung nehmen und dann bezahlen oder umgekehrt handeln solle. Solche "Analysen" seien ein Streit um Nebenschatten, waehrend das eigentliche Problem aus dem Blick gerate.

Geradezu auffaellig fehle der Blick auf den grossen Block des griechischen Problems: die dringende Reform des Systems, damit Entwicklung moeglich wird oder wenigstens die zahllosen Hindernisse beseitigt werden, die sie bremsen. Man kuemmere sich um vieles, waehrend doch nur eines noetig sei.

Der Text fragt zugleich, ob der durchschnittliche Zuschauer Nachrichten vielleicht gerade so wolle. Wenn Nachrichten wie Fussball als Spektakel gesehen werden, interessiert nicht mehr der Kern der Sache, sondern wer lauter schreit, wer beleidigt und wer gedemuetigt wird. Daraus entstehe ein Nachrichtenformat ohne internationale Nachrichten, ohne europaeische Perspektive, ohne Kommentar und ohne Interesse am Griechentum ausserhalb Griechenlands, selbst nicht an Zypern.

Am Ende sieht der Autor nicht mehr Nachrichten, sondern eine Show. Deshalb stimmt er Papoulias zu, der die Krise als tief politisch und noch tiefer kulturell beschrieben habe.