Archivhinweis: Der Text stammt aus dem alten Archiv von Nomika Epilekta und wird sorgfaeltig fuer eine historische und informative Lektuere erhalten.

In der Zeit der Feiertage versuchen Menschen, dem Alltag, der Angst und der wirtschaftlichen Krise fuer einige Stunden zu entkommen. Sie hoeren festliche Musik, suchen die Naehe geliebter Personen und tauschen Geschenke aus, die nicht durch ihren Wert, sondern durch ihre Bedeutung zaehlen. Selten aber richten sie ihre Gedanken auf die Leidenden: Kranke, Trauernde, Arme, Einsame und Gefangene.

Gerade Gefangene, so der Text, wuerden von vielen nicht nur vergessen, sondern mit Schadenfreude betrachtet. Wer Unrecht getan habe, solle nach dieser Haltung eben leiden. Medien der privilegierten Klassen verspotteten prominente Untersuchungshaeftlinge mit Karikaturen, Haeme und sozialer Blossstellung. Die Institutionen der Demokratie und des Rechtsstaats erschienen dabei als Regeln fuer Schwache, nicht fuer Maechtige.

Der Autor kritisiert besonders die oeffentliche Demuetigung von Personen, die noch nicht verurteilt sind. Unter dem Vorwand, sie allein seien fuer die wirtschaftliche Krise verantwortlich, wuerden sie zu Suendenboecken gemacht. Mit der Freiheitsentziehung, harten Ermittlungen, Vermoegenssicherungen, der Trennung von Familie und sozialer Aechtung komme die mediale Hinrichtung hinzu.

Der Text erinnert daran, dass die Betroffenen ihre Freiheit verloren haben, ohne dass ein rechtskraeftiges Urteil vorliegt. Auch Angehoerige und Ehepartner wuerden durch gezielte Medienkampagnen in den Strudel gezogen. Gegen diese Haerte stellt der Autor die christliche Mahnung, den Menschen im Gefaengnis nicht zu vergessen, sondern ihm mit Mitgefuehl zu begegnen.

Die Weihnachtszeit offenbare damit nicht nur Festlichkeit, sondern auch die Verhaertung der oeffentlichen Moral. Wer bereits gefallen sei, werde weiter geschlagen. Der Text endet als moralische und rechtsstaatliche Erinnerung daran, dass Menschenwuerde und Verfahrenstreue gerade dort gelten muessen, wo die oeffentliche Meinung nach Verachtung ruft.

Emmanouil Papadakis