Archivhinweis: Der Text stammt aus dem alten Archiv von Nomika Epilekta und wird sorgfaeltig fuer eine historische und informative Lektuere erhalten.

Der Text fragt, ob Abgeordnete Ideologie, Konsequenz, Grundsaetze, Ethos, Faehigkeiten und Wissen besitzen. Anlass ist der Ausschluss der beiden Abgeordneten A. Georgiadis und M. Voridis aus ihrer Partei und ihr rascher Wechsel in eine staerkere politische Formation. Solche Mandatswechsel seien in Griechenland zahlreich gewesen und haetten oft mit einer gleichzeitigen Aenderung politischer Ueberzeugungen einhergegangen.

Rechtlich und moralisch schliesse nach Auffassung des Autors kein Gesetz den Wechsel eines Abgeordneten aus. Ein Abgeordneter werde gewaehlt, um dem allgemeinen Interesse und nicht allein seiner Partei oder Splitterpartei zu dienen. Wenn Gewissen und Urteil es gebieten, koenne er Partei, politische Unterkunft und sogar Ueberzeugungen wechseln, um dem Ganzen und der Nation besser zu dienen. In diesem Sinn sei der Wechsel aus einer rechten Partei zur Mitte-rechts-Partei Nea Dimokratia weder rechtswidrig noch notwendig unmoralisch.

Die Kritik richtet sich jedoch gegen die Art der sofortigen, anhoerungslosen Streichung aus der Partei und gegen die Geschwindigkeit des anschliessenden Parteiwechsels. Parteien erschienen dadurch als persoenliche Unternehmen ihrer Gruender oder Vorsitzenden, nicht als ideologische Organisationen. Der Parteifuehrer verfuege wie ein Monarch, Feudalherr oder Stammeschef ueber Aufnahme, Ausschluss, Billigung, Strafe und Richtung seiner Mitarbeiter und Mitglieder, ohne Rechenschaft ablegen zu muessen.

Nach Ansicht des Textes haette eine legitimierte und demokratische Entfernung der beiden Abgeordneten nur nach einem Dialog mit den zustaendigen Parteiorganen und nach einer Erklaerung oder Verteidigung ihrer positiven Stimme zum zweiten Memorandum erfolgen koennen. Die sofortige Entscheidung allein durch den Parteivorsitzenden verletze den Grundsatz der Anhoerung und habe mit demokratischer Kultur und Redefreiheit wenig zu tun.

Auch die unmittelbare Aufnahme der Ausgeschlossenen in die Partei, die sie kurz zuvor scharf kritisiert hatten, wird als Ausdruck tiefer Verachtung gegenueber Buergern und oeffentlichem Empfinden beschrieben. Das Fazit lautet, dass sowohl der blitzartige Ausschluss als auch die ebenso schnelle Aufnahme im anderen Lager eine Form von Hybris darstellten: gewaltsames, unverschämtes und anmassendes Verhalten. Die Duldung solcher Hybris zersetze Institutionen, soziales Bewusstsein und die ohnehin leidende Demokratie.

E. Papadakis